Die Geschäfte gehen gut…

…in Carcassonne. Zumindest gilt das für Sylvanas Windrunner. Die kleine Badenanstalt die sie betreibt erblüht nach dem Tod ihres Ehegatten. Die Damne pflegt das Inventar, schafft hie und dort Neues an und kümmert sich ganz besonders zuvorkommen und herzlich um ihre Kunden. So kommt es, dass sie sogar auf der Straße auf ihre Berufung angesprochen wird und neue Kundschaft werben kann. Carcasson scheint der Witwe wohlgesonnen, deshalb beschliesst sie mit dem Gewinn den sie mit dem Bad erzielt Sinnvolles für sich und die kleine Gemeinde zu tun. Die schweren Schicksalsschlag der vergangenen Tage rücken weiter in de Hintergrund, ja es scheint sogar als hätte die Windrunner den Verlust ihre geliebten Mannes bereits verwunden. Nicht nur ihr Geschäft sondern auch sie blüht, in kostbaren Kleidern, mit extravaganten Frisuren und fröhlicher Stimmung. Ob die Wandlung der mittdreissigerin jemandem Auffällt bleibt abzuwarten, Sylvanas jedenfalls fühlt sich wohl in ihrer neuen Umgebung und wähnt sich auf dem besten Wege eine Frau der feinen Gesellschaft zu sein. In Carcassonne scheint es, als schätze man Bader, anders als im alten London.

Die Baderin - ein Neubeginn

Während die Macht des Adels in England immer weiter wuchs, lebte und arbeite Sylvanas Windrunner, eine unscheinbare, bei genauerem Hinsehen aber wunderschöne Frau mittleren Alters im Herzen Londons in einer kleinen Apotheke.Kurz nachdem sich die Medikamentenkunde in Europa von der herkömmlichen Medizin abgespalten hatte, fand sie diese Anstellung, die ihr sehr erträglich und bequem war. Ihr Gatte, mit dem sie seit ihrem fünfzehnten Geburtstag verheiratet war, verliess London nachdem die Medizin sich reformiert hatte und verschwand ohne Sylvanas weiter in ihrer Heimat zu unterstützen in eine Kleinstadt namens Carcassonne im Ausland.Dort trat er kurzfristig als Bader in Erscheinung.Es verging Jahr um Jahr und Sylvanas’ Ehemann liess sich nur sporadisch in London blicken. Er reiste, wenn überhaupt, nur in die Heimat, um sich Geld von seiner Frau zu borgen oder ausschweifende Feste in der Großstadt zu feiern. Auf eines dieser Feste wurde er von Sylvanas begleitet, die sich zwar zuerst gesträubt hatte an seiner Seite zu feiern, es dann aber doch tat, vieleicht aus Gefälligkeit, vieleicht aber auch weil sie spürte, dass dieser Abend für ihr weiteres Leben entscheident sein sollte. Ihre dunkle Vorahnung bewahrheitete sich. Auf diesem Fest, einem Erntedankfest, lernte sie Rosalie kennen.Rosalie, eine junge Blondine mit der sie nach einem schönen, fuecht fröhlichen Festabend ihre Anschrift tauschte und eine lange, intensive Brieffreundschaft mit ihr begann. Nach Jahren des Briefkontaktes ließ Rosalie Sylvanas wissen, dass auch sie nun in Carcasonne heimisch geworden wäre, gemeinsam mit einem Mentor Remy, so erzählte sie in ihren Briefen. Sie beschrieb ihn als exzantrischen Künstler mit teils sehr eigenen Ansichten und es dauerte nicht lange bis auch Slyvanas und besagter Remy begannen sich per Post miteinander auszutauschen.

Der Kontakt riss nie ab und als Sylvanas schliesslich ihre Anstellung in London verlor sah sie keine andere Möglichkeit als ihrem Ehemann nach Carcassonne zu folgen. Auch wenn er sich in den letzten Ehejahren ihr gegenüber eher unzuverlässig gezeigt hatte, Sylvanas vertraute auf sein Eheversprechen und darauf, dass er als Ehemann die Pflicht hatte sich um sie zu kümmern und sie zu versorgen. Ohne ihm über ihre Pläne zu informieren, bereitete sie ihre Reise nach Carcassonne vor, löste ihren Hausstand in London auf und machte sich auf den Weg. Kurz bevor sie die Mauern ihrer Geburtstadt verließ, gab sie noch einen Brief an Rosalie und Remy bei der Post ab in der Hoffnung er würde schneller in Carcassonne ankommen als sie und ihre Ankunft bei ihren beiden Bekannten ankündigen.Dann begann eine anstrengende Reise für sie.

Als sie vor den Stadttoren Carcasonnes ankam packte fest ihren Reisekoffer, den warmen Regenmantel und alles was sie bei sich trug. Dann sprang sie vom Kutschenwagen,um schnell nach dem Haus ihres Ehemannes zu suchen. Zuerst fand sie sich nur schwer in den Gassen der Kleinstadt zurecht, landete immer wieder auf dem Marktplatz und fragte schliesslich einen freundlich guckenden Passanten nach dem Bad der Stadt. Er wies ihr den Weg und so fand sie das Haus, nachdem sie stundenlang gesucht hatte. Sie war guter Dinge ihre Ehe wieder in Schwung zu bringen, die Aufmerksamkeit ihres Gatten zurück zu gewinnen und nun in der Fremde mit ihm glücklich zu werden. Schwer bepackt stieß sie die Tür zu seinem Haus auf. Was sie dort mit eigenen Augen sah konnte und wollte sie zuerst nicht glauben. Sie ließ all ihr Gepäck krachend auf den Holzboden fallen und taumelte durch die Tür zurück nach ins Freie. Durchs Fenster sah sie ungewollt noch wie ihr Mann und eine fremde, sehr junge Frau sich hektisch anzogen und sich mit knallrotem Kopf im Haus umsahen. Diesen Anblick sollte Sylvanas nie vergessen.

Wochen später ging ein Aufschrei durch die Kleinstadt. Der Bader war tot. Wie genau er zu Tode gekommen war konnte nicht festgestellt werden. Die einzige Person die eine Diagnose hätte stellen können aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung war Sylvanas. Doch sie lehnte es ab ihren eigenen Mann zu untersuchen. Aus welchem Grund blieb aber bis heute ungeklärt. Der Bader wurde zu Grabe getragen, aber Sylvanas vergoss keine Träne wegen ihrem Mann. Sie zahlte die Beerdigung und seine offenen Rechnungen und kümmerte sich um ihre Erbschaft, die das Bad und das dazugehörige Inventar beinhaltete.

Nun hofft sie auf Beistand durch ihre Bekannten Rosalie und Remy, die glücklichweise im selben Haus leben wie sie seit kurzer Zeit. Die Geschäfte ihres Mannes gehen ihr nicht allzuschwer von der Hand. Was sie nicht weiß liest sie sich aus Büchern an oder erfragt sie per Brief bei alten Kollegen aus London.

Zurückkehren will Sylvanas nicht mehr in ihre alte Heimat. Carcassonne soll ihre Zukunft sein.

In London

In London

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